Wasserstoff in Oberfranken

Bericht aus dem Fränkischen Tag vom 26.02.2021

Projekte mit Wasserstoff könnten in Oberfranken schon bald Fuß fassen.

Foto: Ronald Rinklef

Kein Wasserstoff, sondern nur herkömmlicher Diesel: Dirk van Elk und der BDS würden gerne irgendwann auf Brennstoffzellenautos umsteigen. Es fehlen aber nach wie vor ausreichend Tankstellen in Franken.

Hirschaid – Dirk van Elk könnte allein durch Kommunikation die Wasserstofftechnologie in der Region voranbringen. Ein wichtiger Schritt ist bereits gemacht.

Die Energieträume von morgen drehen sich längst nicht mehr nur um Batterien. Beim Strom für den Antrieb setzen viele auf die Brennstoffzelle und den dafür nötigen Wasserstoff – spätestens seit die Bundesregierung im vergangenen Jahr ihre Nationale Wasserstoffstrategie (NWS) verabschiedet hat.

Viele Regionen in Deutschland träumen davon, vorne dabei zu sein, wenn diese Technologie Fahrt aufnimmt. Doch bis dahin ist es ein weiter Weg. Und meist scheitern solche Träume an einem: Geld. Wer investiert schon gerne, wenn es sich noch überhaupt nicht rechnet?

„Aus dem Mittelstand heraus aktiv werden“

„Man muss jemanden dafür belohnen, wenn er etwas auf die Straße bringt“, sagt Dirk van Elk. Der 63-Jährige wohnt in Hirschaid (Landkreis Bamberg) und ist Projektleiter beim Bund der Selbständigen in Bayern (BDS). Die Wissenschaft lebt seiner Ansicht nach von der Forschung und Entwicklung und hat zu wenig Interesse, den Weg solcher Entwicklungen in die Praxis mitzugehen. Gerade für Letzteres seien aber Fördergelder dringend notwendig. „Wir vom Bund der Selbständigen haben die Bestrebung, Wasserstoff aus dem Mittelstand heraus zu produzieren“, sagt van Elk. Der Verband besteht in Bayern aus einem Netzwerk von rund 15 000 Betrieben. „Da gäbe es viele Möglichkeiten.“

Bundestagsabgeordnete überzeugt

Weil ohne Förderung nichts geht, hat van Elk im vergangenen Jahr seine Auffassung den beiden oberfränkischen SPD-Bundestagsabgeordneten Anette Kramme und Andreas Schwarz geschildert. Verbunden mit dem Angebot, dass der Bund der Selbständigen fähig sei, ein Netzwerk aufzubauen, wodurch auch der Mittelstand mit Wasserstoffprojekten aktiv werden könne. Mit Erfolg. Van Elk und der BDS haben die Zusage vom Bundesumweltministerium, drei Millionen Euro Fördergeld für den Aufbau so eines Wasserstoffnetzwerks in Oberfranken zu erhalten, um Akteure und solche, die es werden wollen, miteinander zu vernetzen.

Bewilligungsbescheid nur noch Formalie

„Ich glaube, wir schaffen es, in Oberfranken nicht nur darüber zu reden, sondern es auch umzusetzen“, sagt Haushaltspolitiker Schwarz. „Es gibt viele kleine Pioniere mit tollen Ideen, die man testen kann.“ Schwarz war es, der in Berlin dafür gesorgt hat, dass der Weg für Fördergelder nach Oberfranken nun bereitet ist. Der konkrete Bewilligungsbescheid fehlt noch, aber das ist laut Aussage des Bundestagsabgeordneten nur eine Formalie. „Bis spätestens Juni sollte das geklärt sein.“

Fördertopf über 25 Millionen Euro kann angezapft werden

Schon jetzt führt Fädenzieher Dirk van Elk Gespräche mit zahlreichen Interessenten über Ideen und Möglichkeiten, offiziell darf der BDS-Projektleiter aber erst danach loslegen. Die drei Millionen Euro stehen dem BDS vor allem für das Projektbüro, ein Magazin und einen Wasserstoffkongress zur Verfügung. Für die konkreten oberfränkischen Projektideen steht laut Schwarz dann ein Topf mit Fördergeld in Höhe von 25 Millionen Euro zur Verfügung. „Ich nehme die Konzepte dann jeweils mit nach Berlin und lege sie im Umweltministerium vor“, erklärt Schwarz die Vorgehensweise. Darüber hinaus stünden allein für logistische Projekte noch einmal vier Millionen Euro zur Verfügung.

Dieses Fördergeld könnte eventuell Robert Raimund nützlich sein. Der Unternehmer aus Creußen (Landkreis Bayreuth), der als Spediteur und Baustoffhändler über einen Fuhrpark von 25 Lkw verfügt, denkt schon seit einiger Zeit darüber nach, nicht nur wasserstoffbetriebene Nutzfahrzeuge anzuschaffen, sondern auch selbst Wasserstofftankstellen zu bauen. „Wir stehen bereits in Kontakt mit Ingenieurbüros, die sich damit auskennen“, berichtet Raimund, der nach eigenen Angaben schon immer „einen Kopf für alternative Energien gehabt“ hat. Immerhin hat der Oberfranke selbst schon fünf Mineralöltankstellen in den Landkreisen Bayreuth, Kulmbach und Forchheim aufgebaut.

Bisher erst sieben Möglichkeiten

„Das Problem ist tatsächlich, dass es noch viel zu wenig Wasserstofftankstellen in der Region gibt“, sagt Schwarz. In der Tat hat sich zuletzt wenig getan. Gerade einmal sieben solcher Tankstellen stehen Fahrern mit Brennstoffzelle momentan in Franken zur Verfügung: in Berg, Bayreuth, Geiselwind, Biebelried, Schnelldorf, Fürth und Nürnberg. Demnächst soll eine in Erlangen dazu kommen.

Aber es geht bei der Wasserstoffinitiative Oberfranken nicht nur um die Mobilität. „Zwei Schwimmbäder in Bamberg wollen ihre Bäder künftig mit Wasserstofftechnik betreiben“, berichtet Schwarz. „Oder es stehen Unternehmen in den Startlöchern, die Wasserstoff aus Klärschlamm herstellen möchten.“

Und dann kommt mit Bosch noch ein Konzern hinzu, der am Standort Bamberg seit geraumer Zeit Brennstoffzellen-Stacks produziert – das Herzstück einer Brennstoffzelle. Jetzt gilt es, die Akteure zusammenzubringen, zum Beispiel Bosch, Spediteure, die solche Brennstoffzellen testen wollen und regionale Unternehmen, die imstande sind, bestehende Fahrzeuge mit solchen Brennstoffzellen umzurüsten. Eine Aufgabe für Netzwerkbauer Dirk van Elk.

Artikel von Matthias Litzlfelder